Wetware

 

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2003 gelang es amerikanischen Wissenschaftlern, den Text eines Kinderliedes im Genom eines einfachen Bakteriums zu schreiben, fixieren und wieder auszulesen.
Das Bakterium »Deinococcus radiodurans« ist eines der einfachsten und ältesten Lebewesen der Erde. Der eher einfache genetische Code (CGAT) wurde durch einen Strang künstlichen Code (0100101) erweitert, der die Information des Kinderliedes hielt. Dieses modifizierte Genom wurde synthetisiert, verarbeitet und in den Zellkern des Bakteriums injiziert. Die Daten können jetzt ausgelesen werden, ohne dass sie beschädigt werden.
Was ist wenn diese Technologie ähnliche Prozesse der Miniaturisierung erfährt, wie es bei Computern in den letzten 50 Jahren der Fall war? Wie werden wir mit diesen Organismen in Maschinen umgehen? Sind es Lebewesen? Sind es Maschinen?
»Wetware« ist eine Serie fiktiver Prototypen, die drei unterschiedliche Interaktions-Szenarien illustrieren.
Heute beansprucht der Prozess Zeit und eine erhebliche Laborausstattung, aber das war mit Computern in den 1960er Jahren ebenfalls der Fall. Neben der Maschinerie zur Synthetisierung und Injektion der DNA in den Zellkern, benötigt der Prozess Wasser und Zucker, um den Organismus zu brüten und am Leben zu halten. In dieser Zellkultur leben und vermehren sich tausende Kopien der Daten.
Das erste Szenario basiert auf unsere heutigen Interaktion mit Technologie. Eine »Black Box«, ein Gerät dessen Inneres wir weder sehen noch kennen, kann mit Patronen Wasser und Zucker bestückt werden. Wir sehen den Organismus nicht, wir kaufen lediglich die Patronen, so wie wir es mit Druckern heute tun.
Das zweite Szenario schlägt eine direktere Interaktionsform mit dem Organismus vor. Die Bakterienkultur ist durch ein Loch in der Mitte des Gerätes sichtbar. Der Benutzer muss sich um den Organismus kümmern, indem er ihm Wasser und Zucker in kleinsten Dosen zufügt.
Das dritte Szenario geht davon aus, dass die Bakterienkultur das Gerät verlassen hat und nun im Körper des Benutzers wächst. Um an die gespeicherten Daten zu gelangen, muss der Benutzer einen Abstrich seiner Mundschleimhaut durchführen.
Dieses Projekt hat nicht zum Ziel, konkrete Designvorschläge zu liefern. Vielmehr soll es die Technologie anhand eines Science-Fiction-Szenarios vermitteln und eine Diskussion hervorbringen.