Saving Machines

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Menschen werden fotografiert, Fotos werden veröffentlicht, persönliche Daten werden mit digitalen Fotos verknüpft. Ein Prozess der in großem Maßstab bei „social communities“ wie Myspace oder Facebook von den Usern freiwillig durchgeführt wird. Ein digitales Fotoarchiv mit Referenzen wächst im Internet.

 

Wo bleiben diese persönlichen Fotografien, die Daten sind? Den Zugang zu diesen Daten haben vorerst alle. Jeder kann das Foto mit der Person in Zusammenhang bringen, selbst wenn das Bild aus beliebigen Gründen vom Benutzer gelöscht wird, kursiert vielleicht irgendwo im Internet noch eine Kopie. Die Kontrolle über die eigenen Daten wird unmöglich. Auch außerhalb von digitalen Netzwerken werden Daten erhoben und Fotos gemacht. Von Überwachungskameras an Kassen, auf der Autobahn, in der Straßenbahn. Unser Öffentlicher Raum sammelt ständig Daten – ob wir davon wissen oder nicht. Die Datenflut fordert automatisierte Erkennungsprozesse. Zum Beispiel wird auf Flughäfen Gesichtserkennungssoftware mit bestehenden Daten aus biometrischen Pässen verglichen.  So soll die Pass- und Gesichtskontrolle automatisiert werden.

Die Informationstechnologien basieren auf dem Prinzip der Verknüpfung von Datenbanken. Wir bringen den Maschinen bei x = 3; oder Foto x = Max Mustermann. Computerprogramme können nur funktionieren, indem man ihnen beibringt dass bestimmte numerische Werte anderen Werten oder Inhalten entsprechen. So entstehen z.Zt. Tabellen und Datenbanken im Internet die Benutzern verschiedene Eigenschaften zuordnen. Diese Entwicklung hat einerseits marktwirtschaftliche Gründe – „product placement“ – gezielte platzierung von Werbung.  Andere rechtfertigen die Erhebung der persönlichen Daten damit, die „usability“ oder Benutzerfreundlichkeit, den Service zu verbessern. Man kann sich also fragen,  wer die Daten sieht, wo die Daten liegen, und wie die Daten interpretiert werden können. Die Krankenkasse sollte z.B. nicht erfahren dass man raucht und trinkt – vielleicht auch besser nicht auf welchen Parties man sich die Nächte um die Ohren schlägt, denn ein ungesunder Lebensstil könnte die Krankenkasse teuer zu stehen kommen.

Ein dirttes Argument für die Einführung dieser Verknüpfungstechnologien ist Sicherheit. Indem von vielen Politikern die Bedrohung durch den Terrorismus thematisiert, und zu einem Problem unserer Zeit erklärt wird, wird der Einsatz von  Überwachungstechnologien legitimiert. Behauptet wird, wenn technisch alles überwacht werden könnte, wären auch mehr Prognosen und somit Präventionsmaßnahmen möglich. Wir werden in den kommenden Jahrzehnten immer genauer beobachtet, und die Beobachtungen werden immer intelligenter in Zusammenhang mit anderen Daten, Fakten und Werten gebracht.

 

Die Installation besteht aus zwei Stelen, die im ersten und dritten Stock des alten Finazamtgebäudes Bremen aufgebaut sind. Die erste nimmt alle Besucher, die den Raum betreten auf. Die zweite druckt kleine Fotos von allen Besuchern, die den ersten Raum betreten haben, aus. Die Besucher verlassen den ersten Raum ohne zu wissen, was die Maschine tut, finden dann aber im dritten Stock eine ähnliche Maschine, jedoch mit einem Archiv ausgedruckter Fotos – Fotos auf denen sie auch abgebildet sind. Das Archiv ist ein Beweis dafür, dass sie – die Besucher – in dem ersten Raum waren.

 

Einige Besucher durchsuchten diesen Haufen nach ihren Bildern. Manche hatten einfach Spaß an der Technologie, rannten wieder nach unten, wieder hoch und sahen sich selbst aus der Maschine kommen. Einige nahmen ihre Bilder mit; was sie hier noch machen können – im Internet nicht. Während der Ausstellungszeit machte die Maschine etwa 3,000 Bilder, etwa 120 Meter Bildmaterial wurden in vier Tagen ausgedruckt. Ein Haufen gesammelter persönlicher Information. Alle Besucher wurden gespeichert. Saving Everybody.